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13 Nov
13Nov

In dieser Woche bewerben zahlreiche Läden den Singles Day am 11.11. und erhoffen sich Umsatzsteigerungen. Doch ist das ein Grund zu feiern? 

Die Anzahl der Single Haushalte liegt in Deutschland über dem Durchschnitt der EU und steigt seit Jahren an. Prognosen des statistischen Bundesamtes gehen davon aus, dass in Jahr 2040 fast jeder zweite Haushalt von nur einer Person bewohnt wird. So steigt die Zahl der Einpersonenhaushalte von 17,3 Millionen im Jahr 2018 auf 19,3 Millionen im Jahr 2040, damit wird dann jeder vierte Mensch in Deutschland alleine wohnen. 

Der Ressourcenverbrauch von Singlehaushalten ist erkennbar höher als von Mehrpersonenhaushalten (von der Wohnfläche, dem damit verbundenen Energieverbrauch, der individuellen KFZ-Mobilität https://www.blognatur.com/majos-blog/verkehrswende 

über das Einkaufen und Kochen von kleinen Mahlzeiten). 


Ökologisch ist das also eine durchaus bedenkliche Entwicklung, die verschiedene soziale Ursachen hat. Da ist die demographische Entwicklung zu nennen, die dazu führt, dass beispielsweise Witwen alleine ein großes Haus bewohnen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland seit Jahren hoch ist. 


Woran liegt das, dass ein auf Dauer angelegtes Miteinander so schwierig geworden ist? Wirtschaftliche Zwänge entfallen zunehmend und das Internet schafft einen Markt von Möglichkeiten mit dem auch die Anspruchshaltung ansteigt. Welches Gegenüber ist dann noch auf Dauer gut genug?

Neben der Anspruchshaltung ist es sicherlich auch eine Bindungsangst, Angst vor Nähe, die Sorge vor dem Verlust vermeintlicher Freiheiten und die Sorge mit eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden. Die Pflege der äußeren Hülle könnte sich dann als Hülle um einen entleerten Kern entlarven. Das Gegenüber als Korrektiv ist dann nicht mehr die positive Seite einer Du-Perspektive. Oberflächlichkeit kann helfen, vor dem eigenen Ich zu fliehen. Doch je stärker die Flammen des Ich lodern, desto mehr bedürfen sie des sie nährenden Öls (die toxische Wirkung des Ölverbrauchs zeigt die Klimakrise). 

Selbstverwirklichung kann schadlos jedoch nur gelingen, wenn das Selbst über sich hinausgeht zu dem, was es nicht selbst ist, zum Mitmenschen, zur Mitwelt. Erst durch dieses Außer-Sich-Sein kommt der Mensch wirklich zu sich. 


Wenn Verbindlichkeit im Zwischenmenschlichen offenbar so schwierig geworden ist, wie ist dann der Bezug zu unserer Mitwelt? 

Auch hier gibt es Brüche, die sich im Verlust von Naturerfahrung zeigen.

https://www.blognatur.com/majos-blog/extinction-of-experience-der-verlust-an-naturerfahrung 

Ein wertschätzender Umgang mit unserer Mitwelt leidet darunter. Die Mitwelt wird dann zu einer austauschbaren Ware – ähnlich einer flüchtigen Bekanntschaft, zur bloßen Ressource, die ersetzbar ist. 

Diese Entfremdungsentwicklung ist offenkundig: 

(Großstadt-)Kinder kreischen beim Anblick einer Libelle oder Wespe, Erwachsene reagieren ungehalten, wenn sich der Wolf in Deutschland ausbreitet. Wir haben eine vernünftige Risikoeinschätzung verloren. Die vermeintliche Risikogesellschaft ist längst satt, saturiert, selbstzufrieden und sicherheitsorientiert. 

Eine Beziehung in Verbindlichkeit ist jedoch nicht anstrengungslos zu haben, erfordert ein stetiges Einüben und gleichzeitig eine Risikobereitschaft. Austauschbarkeit und Beliebigkeit ist der einfachere Weg. Das bezieht sich auf das Zwischenmenschliche genauso wie unsere Bindung an die Mitwelt. 


In der Trias von Beobachten auf der kognitiven Ebene (was fehlt dem Gegenüber, ökologische Kenntnisse), Einfühlen (die positive Seite der Empathie ergreifen, jene die über eine bloße Perspektiveübernahme hinausgeht) und Liebe (Menschenliebe und Biophilie https://www.blognatur.com/majos-blog/biophilie ) sind Aspekte grundgelegt, die einem nachhaltigen Miteinander der gesamten Mitwelt den Weg ebnen können und helfen können, narzisstische Tendenzen einer stärker vereinzelten Gesellschaft einzuhegen.

JR

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