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02 Jul
02Jul

Seit wir unseren metaphysisch-religiösen Überbau über Bord geworfen haben, sind wir in die nackte Existenz geschmissen und müssen uns unsere Stellung im Kosmos suchen. 

Die Optionsvielfalt in allen Lebenslagen führt auch nicht zu mehr Sicherheit und Beständigkeit: Junge Menschen können aus über 20 000 verschiedenen Studiengängen wählen. Wie viele Limonadensorten stehen inzwischen im Supermarkt und wie viele potentielle PartnerInnen in den Online-Portalen? 

Diese Unüberschaubarkeit an Optionen kann zur Verunsicherung führen. 

Denn gibt es nicht vielleicht doch noch das Bessere, welches das Gute schlägt? Opportunitätskosten berechnen. Warum Dauerhaftigkeit und Verbindlichkeit, wenn die Vielfalt lockt? 

Quantität schlägt Qualität. 

Doch es gibt Abhilfe, Unterstützungsangebote von den Besserorientierten. Berater, Trainer, den Coach für alle Lebenslagen. Ich kann mich aus den Wirrnissen des Alltags herauskaufen und sämtliche Unterstützungsangebote wahrnehmen, um den Markt der Unterstützenden zu vergrößern. Damit bin ich gerüstet für alle Lebenslagen. 

Auch im Umweltverhalten?

Es gibt Waldtherapeuten, die uns die Banalität der offenbar verlorengegangenen Naturbegegnung verkaufen. Es gibt Achtsamkeitstrainer, die uns die Muße, die eigentlich evolutionär mitgegeben ist, erneut verkaufen. 

https://www.blognatur.com/majos-blog/das-ego-und-seine-spiritualit%C3%A4t

 https://www.blognatur.com/majos-blog/du-musst-dein-leben-%C3%A4ndern 


Und es gibt die Naturwissenschaft, die nicht müde wird, uns zu ermahnen, dass es „5 vor 12“ sei. Doch gerade hier hat sich das am Zählbaren orientierte Denken als schadhaft erwiesen. 

Indem Natur uns nur als eine Zahlenkolonne erscheint, die mit einem Algorithmus bearbeitet werden muss, um sie zu durchschauen, berechnen und vorhersagen zu können, wurde sie zum Objekt, entteleologisiert, entsubjektiviert. 

Die moderne Naturwissenschaft hat einen großen Anteil an unserer Naturentfremdung. 


Wie lässt sich Sicherheit, Verbindlichkeit und Engagement wiedergewinnen? Jedenfalls nicht durch ein immer stärkeres Bedürfnis nach permanenten Zuspruch von außen; eher indem wir unsere Empathie weiten, unserer Mitwelt als einem Subjekt begegnen und dadurch einen Perspektivereichtum erfahren. 

Das ist nicht einfach ein Bewusstseinswandel, es ist ein Wandel im Handeln, in einem stetigen Einüben und damit Stärken eigener Tugenden und Tüchtigkeiten für ein gutes Leben. 

Es lohnt sich!


https://www.blognatur.com/majos-blog/ma%C3%9Fhalten-in-einer-welt-ohne-ma%C3%9F

 https://www.blognatur.com/majos-blog/die-abgewendete-apokalypse-oder-die-lust-am-schleichenden-ableben 

JR

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